Das Stück und sein Erfinder

Jean-Philippe Rameau: ›Forêts paisibles‹ (aus: ›Les Indes galantes‹)

Musik hat einen entscheidenden Vorteil: Man kann mit ihr nicht nur durch die Zeit reisen, sondern auch an jeden beliebigen Ort – je nachdem, wann ein Werk komponiert wurde und wovon es handelt. Im Fall des Stücks ›Forêts paisibles‹ des französischen Komponisten Jean-Philippe Rameau, der bis heute als eines der größten Musikgenies Frankreichs gilt, reisen wir nach Frankreich ins Zeitalter des Barock.

Im Jahr 1683 wird der Organist, Komponist und Musiktheoretiker Rameau in eine Welt hineingeboren, in der den Herrschenden alle Macht gehört und dem Volk keine. Es ist die Zeit des Absolutismus. Während König Ludwig XIV (auch bekannt als „Sonnenkönig“) in seinem prächtigen Palast residiert und in Luxus schwelgt, leiden viele unter bitterer Armut. Ein Theater- oder gar Opernbesuch ist der besser gestellten Bevölkerung – vornehmlich Adligen – vorbehalten. Die Verhältnisse der Familie Rameau liegen irgendwo dazwischen. Mutter Rameau entstammt einer niederen Adelsfamilie und der Vater Rameau arbeitet als Kirchenmusiker. Mit 18 Jahren entschließt sich auch Jean-Philippe, Musiker zu werden, immer wieder schreibt er Stücke, aber sein Geld verdient er hauptsächlich als Organist in verschiedenen Kirchen. Mit 35 Jahren lässt er sich endgültig in Paris nieder.

Auch dort verfasst er eine ganze Reihe an Kompositionen und eine bis heute wichtige Schrift zur Musiktheorie – doch erst im Alter von 50 Jahren gelingt es ihm erstmals, eine Oper auf die Bühne zu bringen. Die Meinungen über sein Werk gehen dabei auseinander: Was den einen zu modern erscheint, ruft bei seinen Anhängern Begeisterung hervor. Rameau lässt sich nicht beirren und komponiert weiter. Im Jahr 1735 feiert seine erste Ballettoper – also ein Bühnenwerk, in dem auch getanzt wird –  unter dem Titel ›Les Indes galantes‹ in Paris Premiere! In dem Stück unternimmt das Publikum eine szenische und musikalische Reise auf verschiedene Kontinente, darunter auch in die ›Forêts paisibles‹, die ›friedlichen Wälder‹ der ›Indianer‹ Nordamerikas. Solche Ausflüge in Gegenden außerhalb Europas sind ein beliebtes Motiv in der Oper des ausgehenden Barockzeitalters. Heute wird die damals oft klischeehafte Darstellung sogenannter ›exotischer‹ Kulturen sehr kritisch betrachtet.

Die Musik von Jean-Philippe Rameau überlebte dennoch jeglichen Zeitgeist und wird auch heute noch in vielfältigen Varianten aufgeführt: Eine berühmte Inszenierung der Ballettoper fand etwa im Jahr 2019 in Paris statt – mit einer Bühne voller Hip-Hop-Tänzer*innen und ganz eigenen Choreografien zu der Rameau-Musik, die vor fast 300 Jahren entstanden ist. Bei unserer Version könnt Ihr zusammen mit unserem Kooperationspartner ›Knabenchor Unser Lieben Frauen Bremen‹ singen und es gibt auch eine eigene Choreo, die Ihr hier auf der Website beim Tanz Tutorial lernen könnt. ›Forêts paisibles‹ (aus: ›Les Indes galantes‹) findet außerdem in Kooperation mit dem Chorverband statt. Es bleibt also spannend, was Ihr jetzt daraus macht. In diesem Sinne: bon voyage!